Wohnen am Schmollerplatz, Berlin-Treptow
Zwei Wohnhäuser – das Haus am Platz und das Haus im Garten – bilden rund um den gemeinsamen Gartenhof eine Hausgemeinschaft. Nach außen fügen sie sich mit einfachen Lochfassaden in die Umgebung ein und wahren ihre Privatheit – harte Schale. Nach innen öffnen sie sich mit einer großzügigen Laubengangerschließung zueinander – weicher Kern.
Der Gartenhof ist zugleich Garten und Hof: grün, vegetativ und vielfältig nutzbar. Er dient als Treffpunkt, Aktivitätsraum und Erholungsort für Jung und Alt. Den Wohnungen zugeordnete Gartenbereiche werden durch die darüberliegenden Laubengänge markiert. Die Bepflanzung besteht überwiegend aus heimischen, zugleich klimaangepassten und robusten Arten. Obstbäume tragen essbare Früchte. Die bodengebundene Fassadenbegrünung zwischen den Laubengangsbalkonen schafft kleinteilige, geschützte Freiräume, verbessert den Sicht- und Sonnenschutz und trägt zur Verbesserung von Mikroklima und Biodiversität bei.
Im Erdgeschoss des Hauses am Platz befindet sich ein multifunktionaler Gemeinschaftsraum mit Bezug zum Schmollerplatz. Im Dachgeschoss ergänzen eine Gemeinschaftsküche, eine Dachterrasse und ein Dachgarten das gemeinschaftliche Angebot. Im Gartenhaus steht zudem ein flexibel nutzbarer Optionsraum zur Verfügung, der als Gemeinschaftsraum, Wohnung oder Gewerbefläche genutzt werden kann.
Einfügen gemäß §34 BauGB
Die Umgebung ist geprägt von einer heterogenen Mischung aus gründerzeitlicher Blockrandbebauung und offenen Nachkriegsbauten. Charakteristisch sind geschlossene Brandwände, eine faktische Baulinie sowie unterschiedlich tiefe Bebauungen. Traufhöhen bis 19 m und Firsthöhen bis 23 m bestimmen den Maßstab. Das Projekt fügt sich hinsichtlich Art und Maß der Nutzung, Bauweise sowie überbaubarer Grundstücksfläche selbstverständlich in diesen städtebaulichen Rahmen ein.
Wohnungen
Beide Häuser basieren auf einfachen, jedoch unterschiedlichen Rastern. Da ausschließlich Außen- und Mittelwände tragend ausgebildet sind, lassen sich Grundrisse und Wohnungsgrößen flexibel an veränderte Anforderungen anpassen. Je zwei 1,5-Zimmerwohnungen können zu einer 3-Zimmerwohnung zusammengelegt werden; drei 2-Zimmerwohnungen lassen sich zu einer 3- und einer 4-Zimmerwohnung umstrukturieren.
Alle Wohnungen sind durchgesteckt, verfügen über Belichtung aus zwei Himmelsrichtungen und besitzen vor allem zwei Seiten: eine private und eine der Gemeinschaft zugewandte. Die Balkon-Laubengangzone definiert die Schnittstelle zwischen beiden Bereichen und schafft einen hohen Wohnwert durch private und gemeinschaftlich nutzbare Freiräume sowie Möglichkeiten der Begegnung und des Rückzugs. Selbst die kleinen 1-Zimmerwohnungen verfügen durch ihre Gliederung in zwei Bereiche über diese räumliche Abfolge vom öffentlichen zum privaten Bereich.
Freiraum
Der gemeinschaftliche Gartenhof verbindet Aufenthalt, Spiel, Erholung und Begrünung. Den Erdgeschosswohnungen sind private Gartenbereiche zugeordnet. Heimische, klimaangepasste Pflanzungen sowie Obstbäume fördern Biodiversität und Aufenthaltsqualität. Fassadenbegrünungen zwischen den Laubengängen verbessern Sichtschutz, Verschattung, Mikroklima und Artenvielfalt. Das intensiv begrünte Dach des Hauses am Platz dient als Gemeinschaftsgarten mit Flächen für Urban Gardening und gemeinschaftliche Aktivitäten. Versiegelte Flächen werden auf ein Minimum reduziert. Regenwasser wird auf den Dächern zurückgehalten und auf dem Grundstück versickert.
Konstruktion und Nachhaltigkeit
Die Gebäude sind auf Einfachheit, Dauerhaftigkeit und maximale Anpassungsfähigkeit ausgelegt. Tragend sind ausschließlich Außen- und Mittelwände; nichttragende Innenwände ermöglichen flexible Grundrissanpassungen. Zum Einsatz kommen langlebige und ressourcenschonende Materialien wie monolithische Dämmziegel, Holz-Lehm-Verbunddecken, Holzfenster sowie trockene Innenausbausysteme mit Gipsfaserständerwänden und Trockenestrich. Die Balkonkonstruktionen sind verschraubt und damit rückbaubar. Sämtliche Materialien sind wiederverwendbar und lösbar gefügt. Die Vorfertigung von Deckenelementen und Fertignasszellen reduziert Bauzeit, Kosten und CO₂-Emissionen.
Energie
Das Energiekonzept setzt auf robuste, wartungsarme Technik und einen hohen Anteil passiver Maßnahmen. Die vorgelagerten Laubengänge wirken als saisonaler Klimapuffer: Im Winter ermöglichen sie solare Gewinne, im Sommer verschatten sie die Fassaden. Gründächer mit Regenwasserrückhalt, Fassadenbegrünung und textiler Sonnenschutz verbessern zusätzlich das Mikroklima und den sommerlichen Wärmeschutz. Beheizt werden die Gebäude über Flächenheizungen. Das Warmwasser wird dezentral über Durchlauferhitzer erzeugt, die mit Strom aus Photovoltaikanlagen auf den Dächern betrieben werden.
Wettbewerb: 1.Preis
Planung/Realisierung: 2025-
Wohneinheiten: 71
Wohnfläche: 3.890 qm
Bauherr: Neuapostolische Kirche, Nord- und Ostdeutschland K.d.ö.R.
Landschaft: friedburg & Co