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Städtebauliche Studie Funkwerk Köpenick - Wendenschlossstraße, Berlin - Köpenick

Die Bedingungen, die das Grundstück dafür bietet sind ideal: Die Altstadt von Köpenick ist nah, der Landschaftsraum der Dahme wunderschön, durch die Ausweisung von Teilen des Gebietes als Mischgebiet die Nahversorgung optimal und eventueller Verkehrslärm abgeschirmt. Das Ufer mit seiner Promenade und der große grüne Quartiersplatz wird von Bewohnern und der weiteren Umgebung aufgesucht, um zu flanieren, zu spielen, Sport zu treiben, zu Picknicken, sich zu treffen. In der Nachbarschaft kennt man sich, man läuft sich über den Weg, verabredet sich für später, die Nachbarskinder sitzen auf der Mauer und tauschen Klebebilder. Auf den Gassen und Straßen erreicht man sein Zuhause, mit dem Auto, zu Fuß oder mit dem Rad. Das Auto ist notwendig und sichtbar, die Geschwindigkeit bestimmt aber der Langsamste, Gassen und Straßen sind Lebens- keine Transiträume.

Umgebung

Das Funkwerk liegt am südlichen Rand der kleinstädtisch geprägten Struktur Köpenicks mit straßenbegleitender mehrgeschossiger Bebauung aus der Gründerzeit und älterer dörflicher Bebauung. Die Wendenschlossstraße ist beidseitig straßenbegleitend mit städtischen geschlossenen Zeilen oder Blockrändern, die Bereiche dahinter größtenteils mit Einfamilienhäusern bebaut.

Städtebau

Wir entwickeln eine städtebauliche Struktur, die zur Wendenschlossstraße in geschlossener Bebauung die bestehenden Gewerbebauten ergänzt und zu Gewerbehöfen umformt und zur Dahme hin sich auflöst Durchblick und Grün ermöglicht. In entgegengesetzter Bewegung ist der Landschaftsraum an der Dahme als Uferpromenade grün verdichtet und zieht sich fingerartig in die neue Siedlung.

Ufer und Quartierspark

Die Uferpromenade an der Dahme ist die Hauptqualität von Funkwerk. Die Dahme weitet sich hier zu einer Bucht, die ein klassisches Uferpanorama ermöglicht. Das Ufer ist Erholungsraum für das Quartier und die weitere Umgebung, es gibt Stege um die Beine baumeln zu lassen, Liegewiesen, einen kleinen Strand, Spielangebote für Kleinere und Größere. Der Uferradweg stellt die schnellste Verbindung nach Köpenick oder zur Fähre weiter südlich dar. Die Promenade verbindet sich mit dem zentralen Quartierspark, der eine Mischung aus Park und Platz ist. Im Inneren ist er Park mit größeren Sportflächen, einer aufwendigen Bepflanzung mit unterschiedlichen Baumarten und Aufenthaltsbereichen für jedes Alter. An den Rändern zu den Gebäuden ist er ein Platz mit harter Oberfläche, der dominiert wird durch den Bestandsturm und den Ziegelaltbau. Beide sind durch einen eingeschossigen Neubau verbunden, der als öffentlicher Treffpunkt mit Café und Versammlungsraum dient. Die oberen Geschosse des Ziegelbaus werden als KiTa genutzt, deren Freifläche auf dem Dach des Neubaus angeordnet ist. Das Uferpanorama und der Quartierspark geben dem gesamten Viertel ein Gesicht, eine Identität.

Erschließung und öffentliche Räume

Es gibt ein differenziertes System von hierarchisierter Erschließung und abgestuften öffentlichen, gemeinschaftlichen und privaten Außenräumen. Der Grad der Öffentlichkeit wird über die Dimensionierung der Räume und die Gestaltung der Ränder bestimmt. Eine L-förmige Haupterschließung bildet das Rückgrat des Gebietes. Von dieser werden über Nebenstraßen und Gassen die Gewerbehöfe und Wohnhalligen erschlossen. Kleine PocketPlaces bilden das Zentrum größerer Gemeinschaften bestehend aus bis zu drei Wohnhalligen, geben Identität und übernehmen besondere Funktionen als Spielort, Treffpunkt und BikeSharing-Standort. Die Ausformung der Straßenräume bevorzugt kein Verkehrsmittel und wird als SharedSpace ausgebildet.
Die Wohnhalligen werden über schmale Gassen erschlossen. Durch die Minimierung der Verkehrsflächen können die für die Bewohner verbleibenden Grünräume auf den Halligen maximiert werden. Zwischen den Gebäuden sind bewachsene Pergolen als multifunktionale geschützte Außenräume angeordnet. Darin sind zum einen dienende Funktionen wie Fahrradstellplätze, Abstellräume, Müllsammelplätze und PKW-Stellplätze für Behinderte untergebracht, zum anderen bieten sie unbelegten Raum, den die Bewohner sich aneigenen können. Dies trägt zur Belebung der Gassen und zur Qualität dieser Lebensund Begegnungsräume bei.

Gebäude

Um den differenzierten in der Dichte variierten Städtebau umzusetzen haben wir drei unterschiedliche Gebäudetypologien entwickelt: Punkthaus - Stadtvilla - Zeile, von denen es unterschiedliche Größen gibt:
Punkthaus Small + Medium
Stadtvilla
Zeile Small + Medium + Large

Innerhalb des jeweiligen Gebäudetyps lassen sich unterschiedliche Wohnungsschlüssel auch geschossweise umsetzen, so dass der Wohnungsschlüssel sich punktgenau an die Anforderungen verschiedener Investoren oder auch sich verändernder Marktbedingungen anpassen läßt.

Fassaden

Die Prinzip der Fassaden ist bei allen Gebäuden gleich: Geschosshohe Elemente, entweder als geschlossene Wandflächen oder als Fenster. Je nach Standard der Wohngebäude kommen andere Dimensionen der Öffnungen und andere Materialien zum Einsatz. Im einfachen Mietwohnungsbau werden die geschlossenen Flächen mit einem strukturierten durchgefärbten Putz versehen, die Fenster sind einflügelige Dreh-Kipp-Fenster mit Brüstungsholm und darunterliegender absturzsichernder Brüstungsverglasung. Im Eigentum werden die geschlossenen Fassadenflächen mit einer dunkel lasierten Holzschalung verkleidet und neben den öffenbaren Fenstern gibt es großflächige raumhohe Verglasungen.

Wettbewerb: städtebauliches Gutachten, 1. Preis
Planung: 2017
Planungsgebiet: 7,8 ha
Wohneinheiten: 760
BGF: 73.726 m2

Freiraumplanung: herrburg Landschaftsarchitekten, Berlin